Scheibe's Web-Wahnsinn
Fallstricke im Rotlichtviertel
Wir
Männer sind visuell geprägte Wesen. Deswegen reicht es uns normalerweise
völlig aus, nackte Tatsache auf rein optische Weise gereicht zu bekommen,
um in diesen ganz besonderen Zustand der Hitze zu gelangen, den Frauen
oft nur noch als notgeil bezeichnen können. Kein Wunder also, daß
viele Onliner das Rotlichtviertel im Internet als Eldorado der Pornographie
verstehen, in dem kostenlos oder gegen Bares alles zu entdecken ist, was
das perverse Herz begehrt. Klar - neben Blümchensex findet der Sexophile
hier auch leicht einschlägige Fotos aus der Schwulenszene, Bilder
mit Fetischen aller Art, Aufnahmen aus dem Sadomaso-Bereich, Schnappschüsse
mit SheMales oder einschlägige Dias mit uralten Ladies in eindeutiger
Aktion. Jede sexuelle Neigung wird im Internet hemmungslos bedient - man
muß nur wissen, wo man suchen muß.
Onliner, die auf Dauer Qualität und Masse gleichermaßen suchen,
landen schnell in einem für Außenstehende geschlossenen Sexclub,
der meistens von einer US-Firma betrieben wird. Der verlangt für
seine zigtausend Pornobilder, Live-Kameras und gescannten Filme in der
Regel zwischen
10 und 30 Dollar im Monat. Viele Onliner sind nicht unbedingt bereit dazu,
dieses Geld zu bezahlen. Das wissen auch die Anbieter dieser Clubs. Wie
ein Strohfeuer verbreitete sich deswegen in den letzten Monaten eine neue
Methode der Abzockerei durch die einschlägigen Clubs: Sie locken
den Anwender mit kostenfreien Probetagen. Wer als "Altersnachweis"
seine Kreditkartendaten in
den Browser hämmert, darf sich zwischen 4 und 14 Tagen kostenlos
im Club umschauen. Viele Onliner sind vom Hin und Her zwischen den freien
Sexseiten, die nur wenig Sexmaterial bieten, bereits so erotisiert und
angeschickert, daß sie mit zitternden Händen die Kreditkarte
zücken, um endlich visuelles Manna verkosten zu können.
Schnell wird dabei der Online-Vertrag überblättert,
den jeder bei der Eingabe seiner Kreditkartendaten mit "unterschreibt".
Und da steht eigentlich immer geschrieben, daß die kostenlose Mitgliedschaft
nach Ablauf der Frist in eine gebührenpflichtige umgemünzt wird,
wenn sie nicht rechtzeitig wieder gekündigt wird. Hier liegt der
Hund in der Pfanne begraben.
Manche Anwender werden Mitglied, tummeln sich eine Nacht
im Club und haben Spaß mit den virtuellen Online-Miezen. Die Ernüchterung
kommt dann einen Monat später - zusammen mit der Kreditkartenabrechnung.
Hier werden nämlich auf einmal Minusbeträge ausgewiesen, da
der Club seinen Monatsbeitrag abgebucht
hat. Diese Abbuchung wird in der Folge jeden Monat neu durchgeführt
- da kommen leicht einige Märker zusammen. Ärgerlich ist, daß
die Clubs nichts unversucht lassen, um alle Spuren zu tilgen, die auf
sie verweisen könnten. In der Kreditkartenabrechung tauchen die Clubs
deswegen nicht mit Namen, sondern bloß mit einem kryptischen Buchstabenkürzel
auf. Wer
weiß denn schon, daß etwa das Kürzel XPU Inc zum Sado-Club
gehört? Niemand. Oft steht wenigstens noch eine amerikanische Telefonnummer
unter der betreffenden Zeile. Ob man hier anrufen kann, um seine Mitgliedschaft
wieder zu kündigen? Denkste. Wir haben den Test gemacht und landeten
mehr als einmal auf einer gebührenpflichtigen Telefonsex-Hotline.
So wird dann gleich noch einmal Kohle verdient - auf Kosten des gebeutelten
Anwenders, der eigentlich nur sein Abo loswerden möchte.
Wer
nun nicht mehr weiß, welche Zahlung zu welchem Club gehört,
hat ein Problem. Ein Anruf bei der Kreditkartenorganisation führt
zu der Erkenntnis, daß die Abbuchung nicht einfach storniert werden
kann. Um sie wieder abzustellen, muß oft gleich die ganze die Kreditkarte
gekündigt werden - ein wahrlich unangenehmer Weg.
Wer
demnach kostenfrei mit Trick 17 in den großen Erotik-Clubs sexeln
möchte, der druckt sich am besten stets die vollständigen Mitgliedsvereinbarungen
der Sexclubs aus und merkt sich vor allen Dingen die ausgewiesene E-Mail-Adresse,
unter der sich eine Mitgliedschaft auch wieder kündigen läßt.
Dabei sollte man unbedingt eine Bestätigung bei der Kündigung
erbeten, um nicht "ins Leere zu schreiben".
Im deutschsprachigen Rotlichtbereich sieht es zum Glück
besser aus. Hier werden die harten Angebote oft mit dem Altersnachweissystem
X-Check (www.x-check.de) gesperrt. Und da kostet eine Mitgliedschaft nur
noch knapp 3 Mark im Monat und gibt den Weg frei zu mehreren hundert angeschlossenen
Seiten im Web.
Carsten Scheibe
Ein Bericht von Carsten Scheibe, www.typemania.de
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