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Auszug aus „Telen“y, 1893, von Oskar Wilde
„...eines Nachts jedoch, unfähig, die wahnsinnige Leidenschaft, die mich verzehrte, zu überwinden, gab ich ihr nach und schlich verstohlen in ihr Zimmer. Beim rosaroten Schein ihrer Nachtlampe sah ich sie quer über ihr Bett gestreckt liegen, wie hingegossen. Ich erbebte vor Gier beim Anblick dieses perlweißen Fleisches. Gerne wäre ich ein Raubtier gewesen, um es zu verschlingen. Ihr lockeres, aufgelöstes Haar floß in goldenen Wellen über das ganze Kissen. Ihr Batisthemd verhüllte kaum einen Teil ihrer Nacktheit und erhöhte die Schönheit dessen, was entblößt war. Die Bänder, die dieses Nachthemd über der Schulter zusammengehalten hatten, waren aufgegangen, und so bot ihre rechte Brust sich meinen hungrigen, gierigen Blicken dar. Sie erhob sich fest und straff, denn sie war eine sehr junge Jungfrau, und der Umfang dieser zarten Brust war nicht größer als der einer Champagnerschale ( ... ) Lautlos näherte ich mich auf Zehenspitzen ihrem Bett, genau wie eine Katze, kurz bevor sie zum Sprung auf eine Maus ansetzt, und dann glitt ich langsam zwischen ihre Beine. Mein Herz klopfte schnell, gierig suchten meine Augen, was sie so sehnsüchtig zu sehen verlangten. Als ich auf allen vieren näher kam, mit der Nase voran, stieg mir ein starker, berauschender Duft von weißem Heliotrop zu Kopf.
Vor Erregung zitternd, Öffnete ich weit meine Augen, und scharf hinschauend drangen meine Blicke zwischen ihre Schenkel. Zunächst war nichts zu sehen als ein Büschel krausen nußbraunen Haars, das sich zu winzigen Kringeln ringelte und dort wuchs, als sollte es den Eingang zu diesem Freudenquell verbergen. Als erstes zog ich leicht ihr Nachthemd höher, dann strich ich sanft das Haar auf die Seite und teilte die beiden lieblichen Lippen, die sich bei der Berührung meiner Finger wie von selbst öffneten, als wollten sie mir helfend Eingang gewähren.
Als dies getan war, weidete ich meine hungrigen Augen an diesem zarten rosa Fleisch, das aussah wie das reife, süße Fleisch einer appetitlich anzuschauenden, wohlschmeckenden Frucht, und eingebettet in diese Kirschenlippen lag eine kleine Knospe - eine lebendige Blume aus Fleisch und Blut. Ich hatte sie offensichtlich mit meiner Fingerkuppe gekitzelt, denn als ich darauf niedersah, zuckte und bebte sie, als wäre sie von Eigenleben erfüllt, und schwellend wuchs sie mir entgegen. Bei diesem Wink verlangte es mich, sie zu kosten, sie zu kosen, und so beugte ich mich, unfähig zu
widerstehen, tiefer und drückte meine Zunge auf sie, über sie, um sie, jeden Winkel und jede Ecke um sie herum erforschend, in jede Ritze und Spalte dringend, während meine Geliebte offenbar ihre Freude an dem kleinen Spiel hatte und mir bei der Arbeit half, indem sie in lustvollem Entzücken ihren Hintern derart schwenkte, daß die kleine Blume nach kurzer Zeit ihre Blütenblätter zu entfalten begann und ihren ambrosischen Nektar absonderte, von dem meine Zunge sich keinen Tropfen entgehen ließ.
Dabei keuchte sie und stieß kleine Schreie aus und schien vor Lust zu vergehen.«