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Kunstbiennale von Venedig ist mit ihrer jüngsten Ausgabe auf der Höhe
des Zeitgeistes angekommen. Nach der Verjüngungskur, die der Schweizer Ausstellungsmacher
Harald Szeemann bereits vor 2 Jahren verordnet hatte, machen sich diesmal die
aktuellen Trends der Kunstszene auf dem Gelände der Giardini di Castello
geltend. Den Besucher der großen Kunstschau erwarten höchst eigenwillige
Videos, Selbstinszenierungen der forschesten Art und befremdliche Horrortrips. |
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vom Vernissage-Publikum geradezu belagerte deutsche Pavillon ist ein Beispiel
dafür, wie sich junge Künstler heute artikulieren: weit jenseits dessen,
was einmal als Bild oder Plastik galt. Der 1969 geborene Gregor Schneider aus
Rheydt hat große Teile seines Wohnhauses in die Lagunenstadt bringen lassen.
Dort setzte er diese wieder zu einem völlig verschachtelten dreistöckigen
Gebäude mit labyrinthischen Gängen, toten Räumen und Fenstern ohne
Ausblicke zusammen. Den Besucher dieses muffig riechenden Baues mit seiner kleinbürgerlichen
Ausstattung beschleichen Erstickungsängste, zumal Schneider auch noch für
Isolierung mit Bleiplatten oder Glaswolle gesorgt hat. |  |    | | Ein
ganz anderer Künstlertyp ist der Schweizer Urs Lüthi, der sich selbst
als Kunstwerk offeriert: Wie hingegossen in einer typischen Pose ist der kahlköpfige
Mann als naturgetreue Plastik präsent, aber auch auf Laufbändern zu
sehen oder auf großen Fotos aus Jünglingstagen. All das gemäß
seinem Slogan "Kunst für ein besseres Leben", den Lüthi mit
seinem Konterfei auf Becher und Wurfscheiben drucken ließ. Ähnlich
auf das eigene Ich bezogen arbeitet Mark Wallinger, der den englischen Pavillon
gestaltet hat. Mit weißem Hemd, dunkler Sonnenbrille und Blindenstab steigt
er auf einem Video zu erhabener Musik eine Rolltreppe in einer Londoner U- Bahn
herab und spielt dabei seine Kunstfigur "Blinder Glaube". |

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dem Biennale-Motto "Plateau der Menschheit" soll es um die künstlerische
Beschäftigung im Zeitalter der Globalisierung gehen. Das versucht etwa der
Belgier Luc Tuymans mit fahrig hingemalten Tafelbildern zum Thema des schlimmen
Kolonialerbes seines Landes oder eine Video-Installation im australischen Pavillon.
Dort weist ein Projekt "Deep Water" auf die zentrale Bedeutung des Wassers
für die Menschheit hin. Auf ethische Zusammenhänge deutet Rimer Cardillo
aus Uruguay hin: Mumifizierte Vögel und andere Lebewesen verweisen auf die
problematische Verbundenheit des Menschen mit seiner Umwelt. Solche kleinen Entdeckungen
sind in den nationalen Pavillons der Kunstbiennale eher die Ausnahme.
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den restaurierten Räumen des Arsenals, wo Szeemann Regie führte, kann
man neben alten Bekannten von Joseph Beuys bis Jeff Wall eher auf neue Horizonte
stoßen. Ganz sicher wird der Besucher aber überall auf dem Biennale-
Gelände über in Haufen auftretende vergoldete Plastikschildkröten
stolpern. Sie stammen von der italienischen Cracking Art Group und machen in Venedig
unübersehbar auf eine besonders bedrohte Tierart aufmerksam. Die Bienale
ist für das allgemeine Publikum von diesem Sonntag bis zum 4. November zu
sehen..Ein ausführlicher Rundgang ist hier zu finden: http://www.universes-in-universe.de/car/venezia/bien49/index.htm
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